Archiv für den Monat Dezember 2014

Zwischen Geheimnisverrat und freier Meinungsäußerung?

Ich bin ein recht eifriger Twitter-Leser und nehme mehr oder weniger aktiv am #EDchatDE teil. So bekommt man viel von Lehrern und ihren Erfahrungen aus dem Unterricht mit. Auch ich habe mich in Person meines nicht-anonymen Ichs schon lange daran beteiligt.

Nun habe ich deswegen Probleme bekommen und heftige Kritik bezogen … und deswegen bin ich auch als Herr Scholze neu ins Internet eingezogen. War war genau geschehen:

  • Ich berichtete aus meinem Unterricht und über Schüler. Meiner Meinung nach sehr oberflächlich, ich nannte keine Namen und schrieb auch nie schlecht über einen Schüler. Ich machte mir eher allgemein Gedanken über Schüler-Verhalten und wie man als Lehrer damit umgehen konnte.

Jetzt könnte man natürlich sagen: es war ein Fehler, dass ich die Sichtbarkeit des Inhaltes nicht mehr eingeschränkt habe. Denn dummerweise entdeckten es Schüler von mir und erkannten teilweise Schüler, um die es auch tatsächlich ging. Mir wurde schon eine Dienstaufsichtsbeschwerde angedroht … die konnte wohl – auch aufgrund meines beherzten Vorgehens alles möglichst schnell aufzuklären – abgewendet werden. Und auch, weil man immerhin anerkannte, dass ich nur Gutes wollte.

Im Rahmen der „Untersuchungen“ bei den von mir genutzten sozialen Medien und an anderen Stellen, fand die Schulleitung noch mehr …

  • In anderen Artikeln sprach ich über Ideen, was man im Unterricht machen könnte, wie man den Unterricht verändern könnte. Dies wurde mir als Kritik am restlichen Kollegium ausgelegt und ich könne froh sein, dass kein andere Kollege es gelesen hätte. Nun wird mir die Frage gestellt, ob ich vielleicht besser an eine andere Schule will. Weil meine Ideen offensichtlich meine Ideen zu abgehoben für den Rest des Kollegiums sind, so dass auf Angebote meinerseits nie jemand reagiert hat. Dabei wurde meiner Meinung nach an einzelnen Formulierungen extrem rumgekratzt und alles besonders negativ betrachtet (ohne den größeren Zusammenhang zu betrachten). Dabei habe ich über den Unterricht bei uns in Schule und speziell zu dem der Kollegen nichts gesagt. Nebenbei wurde vermutet, dass ich quasi so eine Art Internet-Süchtling bin.

Wenn ich meine Inhalte vergleiche, mit dem was so die letzten Wochen bei Twitter kam, dann könnte eigentlich fast jeder der bei Twitter schreibt, die gleichen Vorwürfe vorgehalten bekommen.

  • Da wird über das Referendariat geschrieben, wie fürchterlich es ist und es werden Personen beschrieben, die recht skurril sind. Wenn das einer liest, der auch nur eine kleine Ähnlichkeit zu den beschriebenen Personen hat, könnte sich sicher darüber beschweren.
  • Oder es kommt die Frage, ob an anderen Schulen auch mal der Mathe-Unterricht ausfallen darf, damit die Schüler in ein englisches Theaterstück gehen dürfen. Kann man das nicht als Kritik an den Kollegen auffassen!? Werden da nicht Internas ausgeplaudert, die die Allgemeinheit nicht wissen darf/muss?
  • Oder es ein Ausschnitt einer Arbeit gezeigt, wo ein Schüler einen total dämlichen Fehler macht. Wir können damit nichts anfangen, aber wenn die Schrift spezifisch genug ist, könnte ein Klassenkamerad oder der Schüler es erkennen und auf den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte berufen. Er wird in der Öffentlichkeit verhöhnt!!!!
  • Ist das befürworten einer neuen Idee nicht irgendwie auch Kritik an den Kollegen, die sich nicht damit beschäftigen?
  • Wenn man bedenkt, welche Internas bei #EDChatDE verglichen werden! Ein Schüler der da mitliest, wird Dinge erfahren können, an die er sonst nie kommen würde. Ich bin mir sicher, dass sich da schon einige über Schulleitungen und Kollegen aufgeregt haben, weil die sich nicht um.

Naaaa?? Erwischt? Wer hat das alles bedacht, wenn er im Internet schreibt!?

Tja, liebe Kollegen, die ihr im Internet aktiv seid: Was haltet ihr davon? Habt ihr auch schon solche Probleme gehabt? Muss man dann eben anonym schreiben, wenn man mal offener sein will? Ich würde mich über eine rege Diskussion freuen!

Gerne könnt ihr unter einem anonymen Namen schreiben 😉

„Aus“ für „Flipped Classroom“

Tja, vielleicht nicht für alle, aber für mich.

nicubunu_Comic_characters_LaptopVor ein paar Jahren einigten wir uns auf einer Fach-Konferenz, dass ein Gymnasium von den Eltern verlangen kann, die Kinder mit Computer und Internet zu versorgen. Ich war vermutlich an unserer Schule derjenige, der das am meisten ausnutze, indem ich im Sinne von Flipped Classroom Aufgaben für zu Hause aufgab. Aber auch die anderen Kollegen dachten natürlich daran, dass im Computer erledigte Aufgaben zum Beispiel ausgedruckt werden um sie als Hausaufgaben mitzubringen.

Die meisten Schüler haben damit auch kein Problem gehabt, nicht gemachte Hausaufgaben waren eher eine Ausrede, im Notfall konnte man manche Probleme anders umgehen. Ich habe in den letzten Jahren meine Informationen für die Eltern verbessert und immer weniger Probleme damit gehabt. Hatte es auch geschafft, dass die Schüler immer mehr aus ihren Hausaufgaben mit Videos herausholten.

Und nun ist da erst einmal Schluss damit. Die Schulleitung entdeckte auf einer Seite von mir, in der ich die Eltern über die Computer-Nutzung in meinem Unterricht informierte, dass ich davon ausgehen, dass die Kinder einen Computer zur Nutzung zur Verfügung haben. Nun wurde mir mitgeteilt, dass das nicht ginge. Dieser Konferenz-Beschluss bzw. die formlose Einigung wäre unter seiner Aufsicht niemals so zustande gekommen.

Und damit ist dann wohl Schluß mit Flipped-Classroom!