Zwischen Geheimnisverrat und freier Meinungsäußerung?

Ich bin ein recht eifriger Twitter-Leser und nehme mehr oder weniger aktiv am #EDchatDE teil. So bekommt man viel von Lehrern und ihren Erfahrungen aus dem Unterricht mit. Auch ich habe mich in Person meines nicht-anonymen Ichs schon lange daran beteiligt.

Nun habe ich deswegen Probleme bekommen und heftige Kritik bezogen … und deswegen bin ich auch als Herr Scholze neu ins Internet eingezogen. War war genau geschehen:

  • Ich berichtete aus meinem Unterricht und über Schüler. Meiner Meinung nach sehr oberflächlich, ich nannte keine Namen und schrieb auch nie schlecht über einen Schüler. Ich machte mir eher allgemein Gedanken über Schüler-Verhalten und wie man als Lehrer damit umgehen konnte.

Jetzt könnte man natürlich sagen: es war ein Fehler, dass ich die Sichtbarkeit des Inhaltes nicht mehr eingeschränkt habe. Denn dummerweise entdeckten es Schüler von mir und erkannten teilweise Schüler, um die es auch tatsächlich ging. Mir wurde schon eine Dienstaufsichtsbeschwerde angedroht … die konnte wohl – auch aufgrund meines beherzten Vorgehens alles möglichst schnell aufzuklären – abgewendet werden. Und auch, weil man immerhin anerkannte, dass ich nur Gutes wollte.

Im Rahmen der „Untersuchungen“ bei den von mir genutzten sozialen Medien und an anderen Stellen, fand die Schulleitung noch mehr …

  • In anderen Artikeln sprach ich über Ideen, was man im Unterricht machen könnte, wie man den Unterricht verändern könnte. Dies wurde mir als Kritik am restlichen Kollegium ausgelegt und ich könne froh sein, dass kein andere Kollege es gelesen hätte. Nun wird mir die Frage gestellt, ob ich vielleicht besser an eine andere Schule will. Weil meine Ideen offensichtlich meine Ideen zu abgehoben für den Rest des Kollegiums sind, so dass auf Angebote meinerseits nie jemand reagiert hat. Dabei wurde meiner Meinung nach an einzelnen Formulierungen extrem rumgekratzt und alles besonders negativ betrachtet (ohne den größeren Zusammenhang zu betrachten). Dabei habe ich über den Unterricht bei uns in Schule und speziell zu dem der Kollegen nichts gesagt. Nebenbei wurde vermutet, dass ich quasi so eine Art Internet-Süchtling bin.

Wenn ich meine Inhalte vergleiche, mit dem was so die letzten Wochen bei Twitter kam, dann könnte eigentlich fast jeder der bei Twitter schreibt, die gleichen Vorwürfe vorgehalten bekommen.

  • Da wird über das Referendariat geschrieben, wie fürchterlich es ist und es werden Personen beschrieben, die recht skurril sind. Wenn das einer liest, der auch nur eine kleine Ähnlichkeit zu den beschriebenen Personen hat, könnte sich sicher darüber beschweren.
  • Oder es kommt die Frage, ob an anderen Schulen auch mal der Mathe-Unterricht ausfallen darf, damit die Schüler in ein englisches Theaterstück gehen dürfen. Kann man das nicht als Kritik an den Kollegen auffassen!? Werden da nicht Internas ausgeplaudert, die die Allgemeinheit nicht wissen darf/muss?
  • Oder es ein Ausschnitt einer Arbeit gezeigt, wo ein Schüler einen total dämlichen Fehler macht. Wir können damit nichts anfangen, aber wenn die Schrift spezifisch genug ist, könnte ein Klassenkamerad oder der Schüler es erkennen und auf den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte berufen. Er wird in der Öffentlichkeit verhöhnt!!!!
  • Ist das befürworten einer neuen Idee nicht irgendwie auch Kritik an den Kollegen, die sich nicht damit beschäftigen?
  • Wenn man bedenkt, welche Internas bei #EDChatDE verglichen werden! Ein Schüler der da mitliest, wird Dinge erfahren können, an die er sonst nie kommen würde. Ich bin mir sicher, dass sich da schon einige über Schulleitungen und Kollegen aufgeregt haben, weil die sich nicht um.

Naaaa?? Erwischt? Wer hat das alles bedacht, wenn er im Internet schreibt!?

Tja, liebe Kollegen, die ihr im Internet aktiv seid: Was haltet ihr davon? Habt ihr auch schon solche Probleme gehabt? Muss man dann eben anonym schreiben, wenn man mal offener sein will? Ich würde mich über eine rege Diskussion freuen!

Gerne könnt ihr unter einem anonymen Namen schreiben 😉

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4 Gedanken zu „Zwischen Geheimnisverrat und freier Meinungsäußerung?

  1. Jan

    Ich finde es vor allem schade 😦
    Ein großer Teil der anonymen Blogs neigt irgendwann zum Zynismus und zur Überbetonung des Negativen… Das mag ich persönlich nicht besonders.

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  2. Der Lehrerfreund

    Oh je … Herzliches Beileid! Das war bestimmt mehr als unangenehm …

    Ich habe deinen „Fall“ in den (älteren) Lehrerfreund-Beitrag „Anonyme Lehrer“ aufgenommen ( http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrerblog-anonym/4263 ). Die meisten, die anonym bloggen, tun das aber, weil sie so richtig vom Leder ziehen können. Das war bei dir aber überhaupt nicht der Fall. Es scheint, als wäre deine Absicht durchweg konstruktiv gewesen – du hattest einfach Pech.

    Jetzt bleibt dir nichts anderes als der Rückzug in die Anonymität. Bleib konstruktiv, soweit möglich …

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  3. Sagjagarnix

    Ich blogge noch nicht einmal anonym, zumindest nicht öffentlich.

    Zum einen weil sich evtl. trotzdem jemand erkennen könnte und zum anderen weil ich ganz froh bin, dass nicht alle Welt meine wirkliche Meinung zu allem und jedem kennt. Und so mancher Rant war evtl. mit einigen Wochen und Monaten Abstand dann doch eher überflüssig – nun steht er aber online.

    Ich bin auch schon gefragt worden, ob ich meine – teilweise recht skurrilen – Erlebnisse nicht mal als Buch veröffentlichen möchte. Nein, möchte ich nicht.

    Das eine oder andere Highlight aus Klassenarbeiten und Tests teile ich aber auf meinem (nicht öffentlich zugänglichen) Facebook-Account. Das reicht mir aber an Öffentlichkeit.

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