Archiv für den Monat März 2015

Wenn Mediennutzung in der Schule nicht klappt …

… woran kann das liegen?

Ich habe zuletzt ein paar Erfahrungen gemacht, die ich hier festhalten wollte. Es gab massive Probleme, die über die Eltern und die Schulleitung liefen. Mir wurde quasi vorgeworfen, dass ich keinen ordentlichen Unterricht mache, weil ich (zum Teil auch mit Medien) herumexperimentiere. Ich wurde aufgefordert einen klassischen, aber sicheren Unterricht zu halten – so wie man ihn eigentlich gar nicht mehr machen möchte.


Was ich gemacht habe:

  • Ich setze hin und wieder interaktive Arbeitsblätter ein, teilweise für Übungen aber auch als Anleitung, anhand denen die Schüler sich in kleine Themen selber einarbeiten sollten. Da ich das schon seit vielen Jahren mache, habe ich genug Erfahrung und weiß, wie ich daraus mehr mache, als eine Spielstunde am PC. Schüler müssen nach Anleitung bestimmte Dinge im Heft festhalten, teilweise auch vorhandene Materialien (Zeichnungen/AB) verwenden und alles mit eigenen Worten kommentieren und beschreiben. Die Schüler gaben zu, dass sie das nicht ernst nehmen würden. Meine Bemühungen (in kleineren Schritten vorzugehen) wurden durch Ignoranz und Desinteresse zunichte gemacht.
  • Ich habe den Schüler bei längeren Übungsphasen die Lösungen ausgehängt, aber auch über ein frei zugängliches Evernote-Verzeichnis zur Verfügung gestellt. Nur ausgehängte Lösungen haben nach meinem Gefühl etwas weniger Resonanz: man muss sich bewegen und zu Hause sind sie auch nicht verfügbar. Ich hatte das Gefühl, das das bei den meisten gut ankam. Einige gaben zu, sie würden Lösungen abschreiben (naja, immerhin waren meine Lösungen richtig und ausführlich 😉 )
  • Des weiteren habe ich versucht, den Schüler klar zu machen, dass sie es sind, die verantwortlich für ihr Lernen sind. Leicht schockiert waren sie am Anfang, als ich ihnen mitteilte, dass sie ja eigentlich alleine das Mathebuch durchlesen und es alleine lernen könnten. So ganz ernst war das nicht gemeint, denn natürlich würden die meisten das nicht schaffen. Dabei nutzte ich auch das geheimnisvolle Bild von Jan-Martin Klinge und zu verdeutlichen, welche Aufgaben sie haben und was ich als meine Aufgabe sehe.
  • Ich versuchte eine Moderationsmethode, wie ich sie schon bei anderen Klassen angewendet habe, die in Richtung des „Aktiven Plenums“ von Christian Spannagel geht. Ich merkte, dass die Schüler das nicht alleine machen konnten und unterstütze den Moderator stärker durch meine Anwesenheit. Leider hören sich die Schüler nicht wirklich gut zu, so dass ich die Methode abwandelte: Ein Schüler steht an der Tafel und ich nehme nacheinander andere Schüler dran, damit sie die einzelnen Lösungsschritte erklären.
  • Im Sinne von Christian Spannagel flippe ich auch ein wenig den Unterricht, indem ich zum Beispiel auf Tafelanschriebe verzichte, wenn sie im Buch genauso vorhanden sind. Dann sollen die Schüler wichtige Regeln aus dem Buch im Regelheft festhalten. So spare ich Zeit für Übungen im Unterricht anstatt mit An- und Abschreibsessions die Zeit meiner Meinung nach zu vergeuden.

Inzwischen ist der größte Teil dieser Aktivitäten eingestampft. Stattdessen wird klassischer Frontal-Unterricht gemacht. Die Eltern (zumindest die, die sich gemeldet haben) wollen es so! Die Kritik, die mir zugetragen wurde, hat als Hauptinhalt, dass die Schüler nicht mit meinem Unterrichtsstil zurecht kommen und nichts verstehen würde. Außerdem wird kritisiert, dass ich mehr den Unterricht übernehmen soll, die Moderation durch Schüler wird grundsätzlich abgelehnt.

Meiner Meinung nach steckt vor allem eine gewisse Faulheit einige Schüler dahinter. Mir wurde ein Prozentanteil genannt, der Schüler, die sich bei ihren Eltern beschwert hat. Leider wurde mir aber quasi keine Kritik direkt von den Schülern genannt: nur einmal am Anfang, als die Mediennutzung noch „massiver“ war. Der Anteil der sich nicht beschwert hat, scheint mir etwa dem Anteil der Schüler zu entsprechen, die sehr aktiv im Unterricht mitmachen, sich immer bemühen und meine Hilfsangebote immer sinnvoll genutzt haben. Bei einigen Kritikpunkten wurden kleine Ausschnitte meines Verhaltens/von Aussagen genannt, die für sich ein falschen Bild abgeben. So wurde natürlich nicht zugegeben, wenn man statt aufzupassen, gequatscht hat. Leider unterstützen die Eltern diese Oberflächlichkeit, indem sie nicht direkt zu mir kommen. Ob mir gegenüber alle Aussagen mit gleicher Überzeugung ins Gesicht gesagt worden wären!?

Trotz aller Enttäuschung, dass ich nach meiner Meinung nach zu Unrecht beschuldigt worden bin. Es gilt daraus ein Fazit zu ziehen, auf was man zu achten hat, wenn man Medien nutzen will.

  • Einbindung der Eltern:
    • Eigentlich habe ich das schon gemacht, indem ich gleich auf den ersten Elternabend meine Ideen von einem Unterricht vorgestellt habe. Ich merkte schon die Skepsis bezüglich der Nutzung von Evernote zur Veröffentlichung von Lösungen. Aber eigentlich konnte ich die Eltern mit meinen Aussagen überzeugen, zumindest dachte ich das. Aber die Medienphobie und vor allen das Beschützer-Syndrom ihren Kindern gegenüber war wohl zu groß. Vielleicht war es aber auch die eigene Faulheit (der Eltern), sich mehr um ihre Kinder kümmern zu müssen. Das merkte ich in einige Fällen des Eltern-Kontaktes.
      • Wichtig scheint mir auf jeden Fall auch die Zusammenarbeit mit der Klassenleitung und allen Kollegen, die in der Klasse unterrichten. Nur klappt das in einigen Schule vermutlich nur suboptimal.
    • Inzwischen gehe ich sehr schnell an die Eltern ran und fordere sie auf, sich um ihre Kinder zu kümmern (Heftkontrolle, Material, Kenntnisnahme von schlechten Noten und Aufforderung für ein Treffen). Ich versuche dabei konkrete und für die Eltern deutlich sichtbare Anzeichen schnell weiterzugeben.
    • Die Klasse gehört zur Gruppe „freundlich, aber kindisch und faul“. Hier darf man sich nicht einlullen lassen, wenn es hin und wieder einigermaßen klappt, sondern gleich „zuschlagen“.
    • Was mich ziemlich schockiert, in diesem Zusammenhang, ist die Tatsache, dass die Eltern offensichtlich den Kindern nichts zutrauen oder es ihnen einfach machen wollten. So waren die Eltern sicher, dass durch die öffentliche Verfügbarkeit der Lösung einfach abgeschrieben wird (was ja sonst niiieee geschieht!!). Hier hilft vermutlich nur eine breite Rückendeckung durch das Kollegium und die Schulleitung … und Planung von Notfall-Szenarien für die Schüler. Das ist noch ein kniffliger Punkt: Wie man es den Eltern schmackhaft machen, dass ihre Kinder mal gefordert werden.
      • Bevor das als Kritik kommt: ich habe immer wieder mit den Schüler über die Problematik des Abschreibens von Lösungen gesprochen. Habe versucht sie zu unterstützen, auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit, denn nach der ersten Kritik sah ich das als Grund dafür an. Aber ganz klar: mehr Selbstständigkeit bedeutet auch mehr Arbeit!!
  • Einbindung der Schulleitung und der Fachkollegen:
    • Wenn man der Einzige an der Schule ist macht man sich einfach angreifbar. Die Frage ist, ob man es überhaupt riskieren kann, einen anderen Unterricht zu machen, wenn die Kollegen es nicht tun. Vielleicht kann man es dann als Forschungsauftrag betrachten. Man teilt in einer Fachkonferenz den Kollegen mit, was man vorhat, fragt ob einer mitmachen will (was vermutlich selten geschieht), bietet aber Informationen über den Ablauf an.
    • Die Schulleitung sollte ebenfalls vorher informiert werden. Vielleicht kann man die angewendeten Ideen zusammenschreiben. Die didaktischen Hintergründe darlegen und zeigen, dass es andere auch schon so gemacht haben. Auch das man die Eltern und die Schüler ausreichend eingebunden hat.
    • Nur wenn da die volle Rückendeckung vorhanden ist, kann man sich sicher sein, dass eventuell Angriffe von Elternseite abgeblockt werden.

Soweit das erste, wenn auch schon recht ausführliche, Fazit.

Das Hauptproblem aber erfasste eine befreundete Grundschullehrerin sofort … Eigenständigkeit kommt bei den Schülern ganz schlecht an!!!! Leider sehen das die meisten Kollegen an meiner Schule wohl anders und sehen sich als „alter“ Lehrmeister a la Lehrer Lämpel. Und so sonnen sich die Schüler in dieser Entmündigung, da sie dann alles leicht auf den Lehrer schieben können.

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