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Die Schule digitalisieren! – Aber wie?

So – heute mal ein Artikel, der weniger anklagt, dafür aber womöglich so verrückte Ideen hat, dass ich den nicht als öffentliches Ich veröffentlichen mag.

Also, gehen wir mal von dem total unrealistischen Szenario aus, das DU von deinem Kultusministerium oder der obersten Fortbildungsbehörde deines Bundeslandes angesprochen werden würdest:

Sehr geehrter Herr/Frau XYZ, wir wissen, dass Sie sehr aktiv sind, was die Nutzung von Computer/Smartphone/Internet betrifft. Was meinen SIE, wie man den größten Teil der Kollegen im Lande davon überzeugen könnte, es doch auch mal zu versuchen.
Natürlich können wir nicht beliebig Ressourcen aufwenden (Geld, Personal), aber wir sind offen für alle Ideen. Daher die zwei allgemeinen Fragen:
1.) Wie sind ihre positiven Erfahrungen und Ideen, mit denen sie Kollegen Ihrer Schule vom digitalen Weg überzeugen konnten?
2.) Was sind die größten Bedenken, die Ihre Kollegen gegen den digitalen Weg anbringen?

Nun, was meint ihr? Zuerst noch mal von meiner Seite: das ist jetzt keine echte Anfrage gewesen, aber wenn es wirklich nicht zu viele Ressourcen kostet, denke ich, dass vielleicht Interesse an solchen Informationen bestehen könnte!?

Okay, ich leg dann mal vor, aber bitte gibt fleißig eure Kommentare ab. Ich höre auch bei Twitter herum, was eure Meinung dazu ist. Ich habe mir erst einmal ein paar Überpunkte überlegt, die ich dann noch konkretisieren werde:

  1. Informationen sind sicherlich wichtig: So wie wir uns über die sozialen Medien informieren, bekommen wir immer wieder die positiven Beispiele zu Gesicht. Das fehlt den Kollegen.
  2. Es selber selber Probieren, ist sicher auch wichtig. Wer selber das Smartphone und Tablet nur als Spielzeug ansieht, wird sich nicht vorstellen können, es auch im Internet zu nutzen.
  3. Eine Community schaffen, im Sinne einer Hilfe- und Kontakt-Gemeinschaft. Wenn wir schon Facebook-Verbot haben. müsste von staatlicher Stelle eine Ersatz kommen.
  4. Online-Angebote hosten und technische Unterstützung anbieten. Die Nutzung von den schon vorhandenen Möglichkeiten an Online-Werkzeugen ist verpönt, da die Daten außerhalb von Deutschland sind. Also bitte nehmt den Schuladmins die Arbeit ab, sich um diese Tools kümmern zu müssen.

Okay, soweit die Überthemen, hier ein paar konkrete Ideen:

  • Informieren, aber wie? Die Frage ist, mit welchem Format man problemlos an alle Kollegen herankommt? Die gute, alte gedruckte Variante könnte im Lehrerzimmer aushängen. Wenn sie da neben dem Amtsblatt hängt ist die Frage, wer sie sich anschaut? Wenn die Schule genug Geld hat, könnte auch jeder Kollege ein Exemplar ausgedruckt ins Fach bekommen, aber das ist vermutlich zu unrealistisch, oder? Andererseits kann man eines kleines PDF natürlich auch über die elektronische Schulpost verbreiten. Sicher gibt es auch bei euch Kollegen, die die Nutzung von Mails ablehnen, aber das sind sicher nicht die, die noch lange im Schuldienst bleiben, oder? Vielleicht könnte eine kleine Broschüre (ein- oder zweiseitig) dazuführen, das man sie sich ausdruckt, um sie in Ruhe zu Hause zu lesen.
  • Apropos Schulpost: Sicher gibt es noch Schulen, die keinen Mail-Server installiert haben. Gibt es eine einheitliche Schuladresse, die man einen Kollegen vielleicht auch unterjubeln muss, hätte man schon mal eine Adresse an der Hand, über die man Informationen verbreiten könnte. Vielleicht könnte es von staatlicher Seite seinen technischen Support geben, der die mehr oder weniger freiwilligen Schuladmins berät und ggf. auch man selber Hand anlegt. Ich glaube das Einrichten eines Mail-Servers ist jetzt nicht so der große Aufwand und ist vor allem relativ Wartungsarm.
  • Selber mal was ausprobieren: Da gibt es sicherlich er zwei Aspekte, nämlich den persönlichen Umgang mit Smartphone und Tablet und auf der anderen Seite die Nutzung im Unterricht.
    • Viele Kollegen sehen das Smartphone vor allem als Spielzeug an, weil sie – wie vermutlich auch die meisten Schüler – es nicht anders kennen. Wer neben typischen sinnvollen Anwendungen wie Navi und Kalender nur Angry-Birds und Spaß-Apps kennt, wird es auch nur so sehen können. Welche Apps sollte man vorstellen? Feed-Reader und Podcast bringen Informationen zu aktuellen Ereignissen. Wörterbücher erleichtern schwere Taschen (Duden, Wiktionary, Leo usw.). Karteikarten-Apps machen das Lernen immer und überall möglich. Fachinformationen ersparen die Suche im Internet oder in der eigenen Bibliothek (Formelsammlungen, Gefahrstoffdaten, Periodensystem, automatische Berechner aller Art,  … halt für mich eher im MINT-Bereich) .
    • Viele Kollegen, so glaube ich, würden ein Tablet ja auch mal anfassen. Vielleicht könnte man von staatlicher Seite Sets von Tablets anschaffen, mit denen man zumindest in einer mittleren Gruppe mal etwas machen könnte. Ein oder zwei Kästen, in denen sich alles gut transportieren ließe, zusammen mit einem Beamer oder zumindest einer Möglichkeit, kabellos mit einem Beamer zusammen zu arbeiten (AirPlay, AllShareCast, EZCast, …). Hier würde ich für eine Lösung plädieren, bei der Kollegen auch ihr eigenes Gerät möglichst schnell mal einhängen könnten. Dazu gibt es einen Begleiter, der das Kollegium anleitet und zumindest an einem Nachmittag eine Fortbildung macht, in der Möglichkeiten gezeigt werden.
    • Dienste hosten und Community bieten: Mit der offiziellen Ächtung von Facebook für die Nutzung im Unterricht wurden die meisten Kollegen wahrscheinlich abgeschreckt, die Nutzung eines Online-Angebotes auszuprobieren. Dabei geht es beim Austausch über Twitter oder in Google+ ja nicht um die Kommunikation mit/über den Schülern sondern um den Austausch für Ideen für den Unterricht. Und da, so denke ich, kann man von staatlicher Stelle aus nichts dagegen sagen. Viele schreckt jedoch generell das „Server ist im Ausland“ ab. Vielleicht könnte man dann Dienste anbieten, um eine Kommunikation im „Inland“ zu ermöglichen. Kosten für eine Adobe-Server-Lizenz und das Einrichten anderer Tools sollten eigentlich keine großen Löcher in die Kasse reißen. Die Frage ist nur, wie bringt man nach der Fachbook-Abschreckung die Kollegen da hinein. Vielleicht sind regelmäßige „Online-Fortbildungen“ oder Seminare, die jedem frei zugänglich sind eine Idee. Sozusagen EduTalk auf Landesebene.
    • Noch einmal Dienste hosten: Gerade bei der Arbeit mit Schülern wird immer der Datenschutz genannt. Weshalb Google-Docs und andere Online-Tools zur kooperativen Zusammenarbeit abgelehnt werden. Auf der anderen Seite nutzen viele Schüler dies ja schon von sich aus. Aber gut, wenn’s um die offizielle Nutzung geht, dann könnten die stattlichen Stellen ja Dienste anbieten. Bisher ist es deutschlandweit die ZUM, die zwei Angebote für Tools für jeden macht: Zum einen kann sich jede Schule ein Wiki einrichten lassen und dann bietet die ZUM noch eine Möglichkeit Etherpads zu nutzen. Soweit ich weiß, gibt es in einigen Bundesländern Angebote für die Nutzung von Schul-moodle-Installation. Könnte man das nicht ausweiten? Es gibt noch weitere OpenSource Projekte, die man zur Zusammenarbeit nutzen könnte. Ohne der ZUM die Schule wegnehmen zu wollen: Vielleicht wäre eine landes-staatlich betriebene Wiki-Farm, bei der ohne Werbung und auch verschlossen (d.h. Inhalte können nur nach Anmeldung gelesen werden) Kollegen bequem Materialien und Informationen online stellen könnten, ein Anreiz dies auch zu nutzen? Oder Online-MindMaps, so etwas wie Padlet oder ein Online-Whiteboard könnten das Angebot ergänzen können.

So, ein paar Sachen erst einmal von meiner Seite. Was wäre denn eure Ideen? Vielleicht ergänze ich noch etwa in einem EDIT.

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Wenn Mediennutzung in der Schule nicht klappt …

… woran kann das liegen?

Ich habe zuletzt ein paar Erfahrungen gemacht, die ich hier festhalten wollte. Es gab massive Probleme, die über die Eltern und die Schulleitung liefen. Mir wurde quasi vorgeworfen, dass ich keinen ordentlichen Unterricht mache, weil ich (zum Teil auch mit Medien) herumexperimentiere. Ich wurde aufgefordert einen klassischen, aber sicheren Unterricht zu halten – so wie man ihn eigentlich gar nicht mehr machen möchte.


Was ich gemacht habe:

  • Ich setze hin und wieder interaktive Arbeitsblätter ein, teilweise für Übungen aber auch als Anleitung, anhand denen die Schüler sich in kleine Themen selber einarbeiten sollten. Da ich das schon seit vielen Jahren mache, habe ich genug Erfahrung und weiß, wie ich daraus mehr mache, als eine Spielstunde am PC. Schüler müssen nach Anleitung bestimmte Dinge im Heft festhalten, teilweise auch vorhandene Materialien (Zeichnungen/AB) verwenden und alles mit eigenen Worten kommentieren und beschreiben. Die Schüler gaben zu, dass sie das nicht ernst nehmen würden. Meine Bemühungen (in kleineren Schritten vorzugehen) wurden durch Ignoranz und Desinteresse zunichte gemacht.
  • Ich habe den Schüler bei längeren Übungsphasen die Lösungen ausgehängt, aber auch über ein frei zugängliches Evernote-Verzeichnis zur Verfügung gestellt. Nur ausgehängte Lösungen haben nach meinem Gefühl etwas weniger Resonanz: man muss sich bewegen und zu Hause sind sie auch nicht verfügbar. Ich hatte das Gefühl, das das bei den meisten gut ankam. Einige gaben zu, sie würden Lösungen abschreiben (naja, immerhin waren meine Lösungen richtig und ausführlich 😉 )
  • Des weiteren habe ich versucht, den Schüler klar zu machen, dass sie es sind, die verantwortlich für ihr Lernen sind. Leicht schockiert waren sie am Anfang, als ich ihnen mitteilte, dass sie ja eigentlich alleine das Mathebuch durchlesen und es alleine lernen könnten. So ganz ernst war das nicht gemeint, denn natürlich würden die meisten das nicht schaffen. Dabei nutzte ich auch das geheimnisvolle Bild von Jan-Martin Klinge und zu verdeutlichen, welche Aufgaben sie haben und was ich als meine Aufgabe sehe.
  • Ich versuchte eine Moderationsmethode, wie ich sie schon bei anderen Klassen angewendet habe, die in Richtung des „Aktiven Plenums“ von Christian Spannagel geht. Ich merkte, dass die Schüler das nicht alleine machen konnten und unterstütze den Moderator stärker durch meine Anwesenheit. Leider hören sich die Schüler nicht wirklich gut zu, so dass ich die Methode abwandelte: Ein Schüler steht an der Tafel und ich nehme nacheinander andere Schüler dran, damit sie die einzelnen Lösungsschritte erklären.
  • Im Sinne von Christian Spannagel flippe ich auch ein wenig den Unterricht, indem ich zum Beispiel auf Tafelanschriebe verzichte, wenn sie im Buch genauso vorhanden sind. Dann sollen die Schüler wichtige Regeln aus dem Buch im Regelheft festhalten. So spare ich Zeit für Übungen im Unterricht anstatt mit An- und Abschreibsessions die Zeit meiner Meinung nach zu vergeuden.

Inzwischen ist der größte Teil dieser Aktivitäten eingestampft. Stattdessen wird klassischer Frontal-Unterricht gemacht. Die Eltern (zumindest die, die sich gemeldet haben) wollen es so! Die Kritik, die mir zugetragen wurde, hat als Hauptinhalt, dass die Schüler nicht mit meinem Unterrichtsstil zurecht kommen und nichts verstehen würde. Außerdem wird kritisiert, dass ich mehr den Unterricht übernehmen soll, die Moderation durch Schüler wird grundsätzlich abgelehnt.

Meiner Meinung nach steckt vor allem eine gewisse Faulheit einige Schüler dahinter. Mir wurde ein Prozentanteil genannt, der Schüler, die sich bei ihren Eltern beschwert hat. Leider wurde mir aber quasi keine Kritik direkt von den Schülern genannt: nur einmal am Anfang, als die Mediennutzung noch „massiver“ war. Der Anteil der sich nicht beschwert hat, scheint mir etwa dem Anteil der Schüler zu entsprechen, die sehr aktiv im Unterricht mitmachen, sich immer bemühen und meine Hilfsangebote immer sinnvoll genutzt haben. Bei einigen Kritikpunkten wurden kleine Ausschnitte meines Verhaltens/von Aussagen genannt, die für sich ein falschen Bild abgeben. So wurde natürlich nicht zugegeben, wenn man statt aufzupassen, gequatscht hat. Leider unterstützen die Eltern diese Oberflächlichkeit, indem sie nicht direkt zu mir kommen. Ob mir gegenüber alle Aussagen mit gleicher Überzeugung ins Gesicht gesagt worden wären!?

Trotz aller Enttäuschung, dass ich nach meiner Meinung nach zu Unrecht beschuldigt worden bin. Es gilt daraus ein Fazit zu ziehen, auf was man zu achten hat, wenn man Medien nutzen will.

  • Einbindung der Eltern:
    • Eigentlich habe ich das schon gemacht, indem ich gleich auf den ersten Elternabend meine Ideen von einem Unterricht vorgestellt habe. Ich merkte schon die Skepsis bezüglich der Nutzung von Evernote zur Veröffentlichung von Lösungen. Aber eigentlich konnte ich die Eltern mit meinen Aussagen überzeugen, zumindest dachte ich das. Aber die Medienphobie und vor allen das Beschützer-Syndrom ihren Kindern gegenüber war wohl zu groß. Vielleicht war es aber auch die eigene Faulheit (der Eltern), sich mehr um ihre Kinder kümmern zu müssen. Das merkte ich in einige Fällen des Eltern-Kontaktes.
      • Wichtig scheint mir auf jeden Fall auch die Zusammenarbeit mit der Klassenleitung und allen Kollegen, die in der Klasse unterrichten. Nur klappt das in einigen Schule vermutlich nur suboptimal.
    • Inzwischen gehe ich sehr schnell an die Eltern ran und fordere sie auf, sich um ihre Kinder zu kümmern (Heftkontrolle, Material, Kenntnisnahme von schlechten Noten und Aufforderung für ein Treffen). Ich versuche dabei konkrete und für die Eltern deutlich sichtbare Anzeichen schnell weiterzugeben.
    • Die Klasse gehört zur Gruppe „freundlich, aber kindisch und faul“. Hier darf man sich nicht einlullen lassen, wenn es hin und wieder einigermaßen klappt, sondern gleich „zuschlagen“.
    • Was mich ziemlich schockiert, in diesem Zusammenhang, ist die Tatsache, dass die Eltern offensichtlich den Kindern nichts zutrauen oder es ihnen einfach machen wollten. So waren die Eltern sicher, dass durch die öffentliche Verfügbarkeit der Lösung einfach abgeschrieben wird (was ja sonst niiieee geschieht!!). Hier hilft vermutlich nur eine breite Rückendeckung durch das Kollegium und die Schulleitung … und Planung von Notfall-Szenarien für die Schüler. Das ist noch ein kniffliger Punkt: Wie man es den Eltern schmackhaft machen, dass ihre Kinder mal gefordert werden.
      • Bevor das als Kritik kommt: ich habe immer wieder mit den Schüler über die Problematik des Abschreibens von Lösungen gesprochen. Habe versucht sie zu unterstützen, auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit, denn nach der ersten Kritik sah ich das als Grund dafür an. Aber ganz klar: mehr Selbstständigkeit bedeutet auch mehr Arbeit!!
  • Einbindung der Schulleitung und der Fachkollegen:
    • Wenn man der Einzige an der Schule ist macht man sich einfach angreifbar. Die Frage ist, ob man es überhaupt riskieren kann, einen anderen Unterricht zu machen, wenn die Kollegen es nicht tun. Vielleicht kann man es dann als Forschungsauftrag betrachten. Man teilt in einer Fachkonferenz den Kollegen mit, was man vorhat, fragt ob einer mitmachen will (was vermutlich selten geschieht), bietet aber Informationen über den Ablauf an.
    • Die Schulleitung sollte ebenfalls vorher informiert werden. Vielleicht kann man die angewendeten Ideen zusammenschreiben. Die didaktischen Hintergründe darlegen und zeigen, dass es andere auch schon so gemacht haben. Auch das man die Eltern und die Schüler ausreichend eingebunden hat.
    • Nur wenn da die volle Rückendeckung vorhanden ist, kann man sich sicher sein, dass eventuell Angriffe von Elternseite abgeblockt werden.

Soweit das erste, wenn auch schon recht ausführliche, Fazit.

Das Hauptproblem aber erfasste eine befreundete Grundschullehrerin sofort … Eigenständigkeit kommt bei den Schülern ganz schlecht an!!!! Leider sehen das die meisten Kollegen an meiner Schule wohl anders und sehen sich als „alter“ Lehrmeister a la Lehrer Lämpel. Und so sonnen sich die Schüler in dieser Entmündigung, da sie dann alles leicht auf den Lehrer schieben können.

Zwischen Geheimnisverrat und freier Meinungsäußerung?

Ich bin ein recht eifriger Twitter-Leser und nehme mehr oder weniger aktiv am #EDchatDE teil. So bekommt man viel von Lehrern und ihren Erfahrungen aus dem Unterricht mit. Auch ich habe mich in Person meines nicht-anonymen Ichs schon lange daran beteiligt.

Nun habe ich deswegen Probleme bekommen und heftige Kritik bezogen … und deswegen bin ich auch als Herr Scholze neu ins Internet eingezogen. War war genau geschehen:

  • Ich berichtete aus meinem Unterricht und über Schüler. Meiner Meinung nach sehr oberflächlich, ich nannte keine Namen und schrieb auch nie schlecht über einen Schüler. Ich machte mir eher allgemein Gedanken über Schüler-Verhalten und wie man als Lehrer damit umgehen konnte.

Jetzt könnte man natürlich sagen: es war ein Fehler, dass ich die Sichtbarkeit des Inhaltes nicht mehr eingeschränkt habe. Denn dummerweise entdeckten es Schüler von mir und erkannten teilweise Schüler, um die es auch tatsächlich ging. Mir wurde schon eine Dienstaufsichtsbeschwerde angedroht … die konnte wohl – auch aufgrund meines beherzten Vorgehens alles möglichst schnell aufzuklären – abgewendet werden. Und auch, weil man immerhin anerkannte, dass ich nur Gutes wollte.

Im Rahmen der „Untersuchungen“ bei den von mir genutzten sozialen Medien und an anderen Stellen, fand die Schulleitung noch mehr …

  • In anderen Artikeln sprach ich über Ideen, was man im Unterricht machen könnte, wie man den Unterricht verändern könnte. Dies wurde mir als Kritik am restlichen Kollegium ausgelegt und ich könne froh sein, dass kein andere Kollege es gelesen hätte. Nun wird mir die Frage gestellt, ob ich vielleicht besser an eine andere Schule will. Weil meine Ideen offensichtlich meine Ideen zu abgehoben für den Rest des Kollegiums sind, so dass auf Angebote meinerseits nie jemand reagiert hat. Dabei wurde meiner Meinung nach an einzelnen Formulierungen extrem rumgekratzt und alles besonders negativ betrachtet (ohne den größeren Zusammenhang zu betrachten). Dabei habe ich über den Unterricht bei uns in Schule und speziell zu dem der Kollegen nichts gesagt. Nebenbei wurde vermutet, dass ich quasi so eine Art Internet-Süchtling bin.

Wenn ich meine Inhalte vergleiche, mit dem was so die letzten Wochen bei Twitter kam, dann könnte eigentlich fast jeder der bei Twitter schreibt, die gleichen Vorwürfe vorgehalten bekommen.

  • Da wird über das Referendariat geschrieben, wie fürchterlich es ist und es werden Personen beschrieben, die recht skurril sind. Wenn das einer liest, der auch nur eine kleine Ähnlichkeit zu den beschriebenen Personen hat, könnte sich sicher darüber beschweren.
  • Oder es kommt die Frage, ob an anderen Schulen auch mal der Mathe-Unterricht ausfallen darf, damit die Schüler in ein englisches Theaterstück gehen dürfen. Kann man das nicht als Kritik an den Kollegen auffassen!? Werden da nicht Internas ausgeplaudert, die die Allgemeinheit nicht wissen darf/muss?
  • Oder es ein Ausschnitt einer Arbeit gezeigt, wo ein Schüler einen total dämlichen Fehler macht. Wir können damit nichts anfangen, aber wenn die Schrift spezifisch genug ist, könnte ein Klassenkamerad oder der Schüler es erkennen und auf den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte berufen. Er wird in der Öffentlichkeit verhöhnt!!!!
  • Ist das befürworten einer neuen Idee nicht irgendwie auch Kritik an den Kollegen, die sich nicht damit beschäftigen?
  • Wenn man bedenkt, welche Internas bei #EDChatDE verglichen werden! Ein Schüler der da mitliest, wird Dinge erfahren können, an die er sonst nie kommen würde. Ich bin mir sicher, dass sich da schon einige über Schulleitungen und Kollegen aufgeregt haben, weil die sich nicht um.

Naaaa?? Erwischt? Wer hat das alles bedacht, wenn er im Internet schreibt!?

Tja, liebe Kollegen, die ihr im Internet aktiv seid: Was haltet ihr davon? Habt ihr auch schon solche Probleme gehabt? Muss man dann eben anonym schreiben, wenn man mal offener sein will? Ich würde mich über eine rege Diskussion freuen!

Gerne könnt ihr unter einem anonymen Namen schreiben 😉

„Aus“ für „Flipped Classroom“

Tja, vielleicht nicht für alle, aber für mich.

nicubunu_Comic_characters_LaptopVor ein paar Jahren einigten wir uns auf einer Fach-Konferenz, dass ein Gymnasium von den Eltern verlangen kann, die Kinder mit Computer und Internet zu versorgen. Ich war vermutlich an unserer Schule derjenige, der das am meisten ausnutze, indem ich im Sinne von Flipped Classroom Aufgaben für zu Hause aufgab. Aber auch die anderen Kollegen dachten natürlich daran, dass im Computer erledigte Aufgaben zum Beispiel ausgedruckt werden um sie als Hausaufgaben mitzubringen.

Die meisten Schüler haben damit auch kein Problem gehabt, nicht gemachte Hausaufgaben waren eher eine Ausrede, im Notfall konnte man manche Probleme anders umgehen. Ich habe in den letzten Jahren meine Informationen für die Eltern verbessert und immer weniger Probleme damit gehabt. Hatte es auch geschafft, dass die Schüler immer mehr aus ihren Hausaufgaben mit Videos herausholten.

Und nun ist da erst einmal Schluss damit. Die Schulleitung entdeckte auf einer Seite von mir, in der ich die Eltern über die Computer-Nutzung in meinem Unterricht informierte, dass ich davon ausgehen, dass die Kinder einen Computer zur Nutzung zur Verfügung haben. Nun wurde mir mitgeteilt, dass das nicht ginge. Dieser Konferenz-Beschluss bzw. die formlose Einigung wäre unter seiner Aufsicht niemals so zustande gekommen.

Und damit ist dann wohl Schluß mit Flipped-Classroom! 

Meine Spitzenschule

Hmm, ich war ja schon am überlegen, welche Artikel ich als erstes schreiben wollte. Es stehen bei uns in der Schule einige Dinge an, die mich aber verraten könnten. Deshalb etwas, was mich schon seit einiger Zeit umtreibt.

nicubunu_Comic_characters_SignWann ist eigentlich eine Schule eine Spitzenschule?

  • Wenn sie sich traut, sich einem externen Label anzuvertrauen, für das man ein paar Bedingungen erfüllen muss, und wodurch man dann ein schönes Schildchen auf der Schulhomepage oder in der Schule aushängen kann, damit man als Spitzenschule erkannt wird?
  • Wenn über die Schule andauernd in der Presse von der Schule und den Leistungen der Schüler berichtet wird?
  • Wenn der Schulträger immer diese Schule für besondere Aktionen auswählt. Eventuell könnte das auch daran liegen, das einige Amtsinhaber auf dieser Schule Schüler waren?
  • Wenn die Anmeldezahlen der kommenden 5.-Klässler jahrelang viel höher ist als bei den Konkurenzschulen ist?

 Aber ist es sinnvoll, den Ruf einer Spitzenschule anzustreben?

Einige Vorteil kann das schon haben:

  • So bekommt man eventuell zusätzliche Ressourcen, finanzieller und personeller Art.
  • Der Ruf als Spitzenschule zieht natürlich auch speziell die Eltern an, die der Meinung sind, dass ihre Kinder unbedingt auf eine Spitzenschule müssen. Das kann sich positiv auswirken, indem man Eltern bekommt, die sich um ihre Kinder kümmern.
  • Wie schon erwähnt bekommt man eventuell einige Dinge zugeschoben.

Aber es hat sicher auch Nachteile.

  • Eltern, die ihre Kinder für sehr wichtig halten, produzieren auch teilweise arrogante Kinder, die sie sich für was Besseres halten.
  • Bei allen Aktivität, wird immer auf den guten Ruf geachtet. Nicht das Wohl der Schülern spielt die Hauptrolle.
  • Sogar mit Schülern, die sich daneben benehmen, wird milde umgegangen. Statt sie schnell von der Schule zu werfen, traut man sich nicht, denn das könnte ein schlechtes Bild auf die Schule werden.
  • Vor allem die Eltern, die aufgrund ihres eigenen Spitzenjobs den Spitzenruf festigen, werden besonders gepflegt. Denn die kann man immer nach vorne schicken um damit den gute Ruf noch mehr zu verbessern.
  • Das Zutragen von mehr besonderen Aktivitäten (Austausch mit exotischen Ländern, Teilnahme an besonderen Wettbewerben, usw.) bindet viel Arbeitszeit. Die Belastung des Kollegiums steigt.
  • Und, was für mich das schlimmste ist: Man denkt bei den Schüler vor allem an die guten Schüler, die an Wettbewerben teilnehmen und mit ihren Spitzenergebnissen die Spitzenstellung der Schule festigen können. Und es ist vor allem dann bedenklich, wenn man den schlechten Schülern wesentlich weniger Aufmerksamkeit schenkt, als den Wettbewerbsteilnehmern!!!!

FAZIT: Mehr Geld und ein paar Privilegien sind ganz nett. Auf arrogante Kinder und Eltern kann man verzichten. Aber ich bin Lehrer geworden, auch weil ich helfen will. Weil mir meine Fächer Spaß machen und ich dies weitergeben möchte, indem ich den Schülern helfen will damit zurecht zu kommen. Nichts gegen die Förderung von Spitzenschülern. Aber, wenn man immer mehr an der Spitze zieht kann es vorkommen, dass sie Spitze abreißt und der Rest nicht mehr nachkommt. Wer darauf nicht achtet, denkt zu kurzfristig. Das ärgert mich und macht mich traurig!

nicubunu_Comic_characters_Bye